Hausärztliche Versorgung im ländlichen Raum – was tut das Land?

Es braucht gleichwertige Lebensverhältnisse in der Stadt wie auf dem Land. Diesem Anspruch, der bereits im Grundgesetz festgeschrieben ist, hat die Politik in ihrer täglichen Arbeit zu folgen. Realistisch betrachtet ist dieser berechtigte Anspruch in einer Reihe von Fragestellungen nicht erfüllt. Ob es um Arbeitslosenquoten, Mieten, Zugang zu schnellem Internet, Mobilfunkverbindungen oder eben im Besonderen die ärztliche Versorgung geht: Deutsche Städte und Regionen weisen in den verschiedenen Punkten erhebliche Unterschiede auf. So gut wir im Landkreis Rotenburg beispielsweise bei Beschäftigung und Arbeitslosigkeit dastehen, so sehr gibt es Nachholbedarf u.a. in der ärztlichen Versorgung. Eine Reihe sogenannter Kassensitze konnten bislang im Großraum Zeven nicht besetzt werden; immer wieder schildern Bürgerinnen und Bürger mir ihre Not, „hausärztlich vernünftig unterzukommen“. Diese Beobachtungen spiegeln mir auch Abgeordnete aus anderen ländlichen Regionen Niedersachsens wider.

Tatsache ist: Junge Ärztinnen und Ärzte können es sich derzeit völlig frei aussuchen, wo sie arbeiten möchten. Das gilt für den ambulanten ebenso wie für den stationären Bereich. So denn nicht etwaige heimatliche Gefühle bei der Standortwahl überwiegen, führen die Wege dann eben leider nicht in die ländlichen Regionen. Die Bevölkerung wird älter, chronische Erkrankungen kommen vermehrt vor. Zudem scheiden eine erhebliche Anzahl von Ärztinnen und Ärzte in den nächsten Jahren altersbedingt aus. Ein Schlüssel liegt darin, mehr Mediziner auszubilden. Daher treibt das Land Niedersachsen nun den Ausbau der Studienplätze in Hannover, Oldenburg und Göttingen zügig voran, so dass insgesamt 200 Studienplätze dazukommen. Und diese dürften auch problemlos zu besetzen sein, die Bewerberzahl übersteigt die Zahl der Studienplätze deutlich.

In einem vom Landtag beschlossenen gemeinsamen Antrag von CDU, SPD, Grünen und FDP finden sich weitere wichtige Punkte zur Stärkung der ärztlichen Versorgung auf dem Lande. Hierzu zählen vermehrte Ausbildungsphasen in Arztpraxen und hausärztliche Praktika bevorzugt im ländlichen Raum. Es zählt hierzu auch die stärkere Einbindung der Kassenärztlichen Vereinigung beim Übergang vom Studium über Weiterbildung in die Niederlassung. Hinzu kommen verbesserte ÖPNV-Angebote für bedarfsgerechte Mobilitätsleistungen und eine Bedarfsplanung für die Niederlassung, die dem Flächenland Niedersachsen besser als heute gerecht wird. Verbessert werden soll auch die Verzahnung zwischen ärztlicher und pflegerischer Versorgung durch den Einsatz von Versorgungsassistenten. Hier ist eine Menge zu erledigen, um diesen Landtagsbeschluss in den praktischen Alltag einfließen zu lassen.

Darüber hinaus hat der Rotenburger Kreistag ganz unabhängig von der Landespolitik beschlossen, Medizinstipendien zu vergeben. Für sechs Studierende stehen während des Studiums 500 Euro monatlich zur Verfügung, wenn sie sich verpflichten, später im Landkreis tätig zu werden. Klar ist aber auch: Es war allerhöchste Eisenbahn, dass die Politik sich dieser Herausforderungen im Detail annimmt. So erfreulich die Erhöhung der Zahl der Studienplätze ebenso wie das Stipendiatsprogramm des Landkreises Rotenburg auch sind: Die medizinische Ausbildung dauert lange. Bis Assistenzärzte/-ärztinnen ihre Tätigkeit aufnehmen können, haben sie mindestens sechs Jahre studiert. Abgeschlossen ist die gesamte Ausbildung erst nach über zehn Jahren. Daher begrüße ich es ausdrücklich, dass der Niedersächsische Landtag eine Enquetekommission eingesetzt hat, die sich mit der Sicherstellung der medizinischen Versorgung in Niedersachsen auseinanderzusetzen hat. In dieser Kommission arbeiten Mitglieder aller im Landtag vertretenen Parteien mit. Der Zeitrahmen ist eng gestrickt: Konkret geliefert werden muss weit über das Thema hausärztliche Versorgung hinaus im Jahre 2020.