Düngeverordnung und Grundwasserschutz: Nitratwerte im Blick behalten

Eines der aktuell am häufigsten diskutierten agrarpolitischen Themen betrifft die Düngeverordnung und damit einhergehend der Grundwasserschutz. Die sich abzeichnenden Entwicklungen sind insbesondere für den Landkreis  Rotenburg von erheblicher Wichtigkeit, entsprechend intensiv verlaufen die Diskussionen.

Vorweg gilt es einmal festzuhalten, dass unser Trinkwasser in absolut einwandfreier Qualität ist. Hiervon kann sich jeder Wasserkunde u.a. bei der jährlichen Wassergeldabrechnung überzeugen, aus dem beiliegenden Informationsschreiben des Wasserversorgers gehen neben allgemeinen Informationen auch die Werte der chemisch-physikalischen Wasseruntersuchung hervor. Diese liegen beispielsweise für das Trinkwasser des Wasserversorgungsverbandes Bremervörde für Nitrat extrem niedrig, mit teilweise unter 0,5 mg/l sogar dicht an der Nachweisgrenze.

Das soll allerdings auch so bleiben, denn der Wasserschutz ist nicht verhandelbar. Und hier setzt die Diskussion um die Nitratgehalte des Wassers an den Grundwassermessstellen an. Im gesamten Landkreis wird die Grundwasserqualität „oberflächennah“, also dicht der Oberfläche der Grundwasserkörper an insgesamt 47 Messstellen beobachtet.

In unserer Region mit sehr leichten und damit durchlässigen Böden (hoher Sandanteil) werden diese Werte relativ zügig durch die Düngung beeinflusst. Es gilt ein Grenzwert von 50 mg Nitrat/l Grundwasser. In einfachen Worten gesagt: Wenn der Pflanzenaufwuchs nicht sämtlichen Stickstoff (der ein elementarer Bestandteil der Pflanzenernährung ist) aufnimmt, dann verlagert sich dieser in Form von Nitrat recht zügig in Richtung Grundwasser. Über die Jahre betrachtet beobachten wir hier Verbesserungen von durchschnittlich 47,2 mg/l im Jahre 2007 auf 37,1 mg/l in 2018.

Allerdings finden wir immer noch 17 Messstellen mit Werten über dem Grenzwert von 50 mg. Diese Messstellen mit zu hohen Werten verteilen sich relativ gleichmäßig mit Ausnahme der Region Unterstedt auf den gesamten Landkreis, so dass dieser vermutlich zum großen Teil sogenanntes „Rotes Gebiet“ werden wird.

Ähnliche Situationen finden sich in mehreren Landkreisen Niedersachsens, übrigens auch in Regionen mit sehr geringer Tierhaltung und reinem Ackerbau. Ebenso finden sich Messwertüberschreitungen unter Wäldern und Kanalisationen, hier werden strengere Düngevorgaben naturgemäß nicht greifen. Festzuhalten ist jedoch, dass der aktuelle Nährstoffbericht des Landes Niedersachsen nach wie vor einen landesweiten Überschuss an Stickstoff aufzeigt. Allerdings sind die Tierzahlen inzwischen insbesondere in den Hochburgen erkennbar rückläufig, Mit 172 kg Stickstoff/ha aus Wirtschaftsdünger ist der Landkreis Rotenburg dicht an „voll“, so dass auch bessere Nährstoffverteilungen und längere Lagerungsmöglichkeiten für Gülle und Gärsubstrat (Endprodukt der Biogaserzeugung) sehr wichtig sind. Das Zeitfenster zur rechtlich vorgeschriebenen Ausbringung ist nur noch sehr kurz. Dabei ist der Viehbestand mit 1,4 GVE (Großvieheinheiten) pro ha im Kreis Rotenburg seit Jahren sehr konstant, hinzugekommen sind seit 2000 aber rund 150 Biogasanlagen. Der Mineraldüngereinsatz (Zukaufdünger) ist bereits seit mehreren Jahren erheblich rückläufig.

Deutschland ist verpflichtet, die Messergebnisse an die EU-Kommission zu senden. Hierzu wurden bis 2016 Werte von deutschlandweit 162 Messstellen aus dem sogenannten Belastungsnetz gemeldet, was uns automatisch schlechter im Vergleich zu anderen Ländern gestellt hat. Seit 2016 werden die Werte von rund 700 Messstellen aus dem „Durchschnittsnetz“ gemeldet, somit sind die Länder besser vergleichbar.

Die EU-Kommission hat mitgeteilt, dass sie die Maßnahmen der bereits deutlich verschärften Düngeverordnung aus dem Jahre 2017 in Bezug auf die EU-Nitratrichtlinie nicht für ausreichend hält. Dieses bezieht sich vor allem auf die Ausweisung der nitratsensiblen Gebiete, so wie es wie o.a. auch Rotenburg betrifft. Daher hat das niedersächsische Landwirtschaftsministerium umfangreiche Maßnahmen eingeleitet und setzt mit der Gebietsausweisung auch für Phosphat und der Einführung elektronischer Nährstoffmeldungen (ENNI) Maßstäbe in Deutschland, da Nährstoffströme zu 100 Prozent transparent werden. Innerhalb dieser sensiblen Gebiete wird es zu erheblichen Einschränkungen der Düngung mit entsprechenden Verlusten an Erntemenge und -qualität kommen, die EU spricht von bis zu 20 Prozent Stickstoff unterhalb des Pflanzenbedarfs. Daher war es uns seitens der Politik besonders wichtig, die betroffene Fläche ganz konkret an der tatsächlichen Belastung der Grundwasserkörperabschnitte auszurichten. Weiterhin gilt es, Ausnahmen für Dauergrünland zu erwirken; dessen Auswaschungspotential ist wissenschaftlich belegt deutlich niedriger als das des Ackerlandes. Grünlandregionen tragen nicht zu Problemen mit dem Grundwasser bei. Hier laufen die Diskussionen zwischen Land, Bund und EU noch.

Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass die Landwirtschaft im Kreis Rotenburg in weiten Teilen vor erheblichen Verschärfungen in Fragen der Nährstoffversorgung steht, die kurzfristig greifen werden. Hier gilt es, sehr genau zu beobachten, wie die Nitratmesswerte darauf reagieren werden.