CDU-Spitze wirft Helberg Unsachlichkeit vor

CDU-Spitze wirft Helberg Unsachlichkeit vor

Ende Oktober wurden die Aussagen des ehemaligen SPD-Kreistagsabgeordneten Friedhelm Helberg zur „verheerenden Ökobilanz“ bekannt. Die undifferenzierte Herangehensweise, das Vermengen berechtigter Kritik mit vollständig unberechtigten Vorwürfen insbesondere mal wieder in Richtung Landwirte hat mich sehr verärgert. Daher haben mein Kreistagskollege Marco Prietz und ich die Gelegenheit zu einem Pressegespräch hierzu genutzt. An bei die Berichterstattung der Zevener Zeitung, die die Veröffentlichung freundlicherweise genehmigt hat.

CDU-Spitze wirft Helberg Unsachlichkeit vor

Marco Mohrmann und Marco Prietz weisen Kritik des ehemaligen Kreistagspräsidenten an Landrat Luttmann zurück

Zeven. „Warum jetzt?“ Diese Frage treibt den CDU-Kreisvorsitzenden, Landtags- und Kreistagsabgeordneten Dr. Marco Mohrmann mit Blick auf den Frontalangriff Friedhelm Helbergs auf Landrat Hermann Luttmann ebenso um wie Marco Prietz, den CDU-Fraktionsvorsitzenden im Rotenburger Kreistag. Ist es allein die Sorge des ehemaligen Kreistagspräsidenten Helberg um den Zustand von Natur und Umwelt?

Im Landkreis seien in der jüngeren Vergangenheit viele Projekte und Initiativen gestartet worden, um in etlichen von Helberg kritisierten Bereichen eine Trendumkehr einzuleiten, hebt Mohrmann hervor. Er nennt den Anbau von Ackerbohnen im Mais, die Reduzierung des Maisanteils auf den Äckern, die Anlage von Dauerblühflächen und den verstärkten Anbau von Zuckerrüben als Futter für Biogasanlagen sowie die bevorstehende Anhebung des Gülleanteils in Biogasanlagen. Der Landkreis sei auf diesem Gebiet geradezu Vorreiter, ergänzt der CDU-Chef, während Helberg die Initiativen als Beschwichtigung bezeichnet hatte.

Unbestritten sind in den Augen des CDU-Duos das Artensterben und die Nitratbelastung des Grundwassers. In diesen Punkten sei Helbergs Kritik berechtigt, meinen Prietz und Mohrmann. Sie werfen dem 2016 aus dem Kreistag ausgeschiedenen Nartumer indes vor, „pauschale Schuldzuweisung“ zu betreiben und nicht zu würdigen, dass der Kreis ein Projekt zum Artenschutz aufgelegt und dass sich die Nitratbelastung in den zurückliegenden Jahren nicht unerheblich reduziert habe – wenn auch noch nicht überall ausreichend.

Helberg übertreibe, wenn er von „verseuchtem“ Grundwasser spreche und er verbreite Halbwahrheiten, wenn er von „ungezügeltem“ Maisanbau spreche. Laut Prietz nimmt der Viehbesatz im Kreis „seit zehn Jahren“ nicht mehr zu. Die Zahl der Kühe sei deutlich rückläufig. Auch der Maisanteil sei seit fünf Jahren nicht mehr gewachsen. Auch beim Antibiotikaeinsatz im Stall sei „extrem viel passiert“, ergänzt Mohrmann.

Prietz und er wünschen sich eine an der Sache ausgerichtete Debatte über Landwirtschaft, Umwelt- und Naturschutz, ohne gegenseitige Vorwürfe und mit dem Ziel, gemeinsam zu handeln. Es gelte, einen Mittelweg zu finden zwischen Extremen – dem des nahenden Weltuntergangs und dem des Weiter-so. „Es ist glücklicherweise keine Privatangelegenheit der Landwirte, was sie auf ihren Feldern machen, aber wir dürfen sie auch nicht knebeln“, betont Marco Prietz.

Und Marco Mohrmann ergänzt, wünschenswert sei ein Gesellschaftsvertrag mit den Landwirten, der regelt, wie ihnen die Erfüllung gesellschaftlicher Forderungen vergütet wird. Helbergs Attacke beschränke sich auf Kritik, moniert Prietz. „Es fehlt an Konstruktivem.“

Den Vorwurf des ehemaligen Kreistagsvorsitzenden, bei der Ausweisung von Naturschutzgebieten hake es im Landkreis erheblich, weisen die beiden führenden Christdemokraten entschieden zurück. Ihrer Ansicht nach habe der Kreistag vielmehr ein „wahnsinniges Tempo“ an den Tag gelegt, indem er seit 2016 16 Naturschutzgebiets-Verordnungen beschlossen habe.

Derzeit seien die beiden größten und „schwierigsten“ Naturschutzgebiete entlang der Oste und der Wümme in Arbeit. Ziel sei es, so Prietz, die Verordnungen im Frühjahr nächsten Jahres zu beschließen. An deren Ausformulierung möge sich die SPD im Kreistag konstruktiv beteiligen, lautet der Appell des CDU-Fraktionsvorsitzenden. (tk)