Fair Play in Handelsbeziehungen bei allen Beteiligten

Fair Play in Handelsbeziehungen bei allen Beteiligten

Aktuelle Stunde zum Thema „Bauernproteste für faire Preise: Wertschätzung und Wertschöpfung statt Dumping-Angebote“. Ich habe deutlich gemacht, dass die Lage für die Landwirtschaft existenzbedrohend ist und jetzt systematisch mehr Geld auf die Höfe muss. Und zwar pro verkaufter Einheit mehr Anteil für die Landwirtschaft. Durch ihren Einsatz haben die Landwirte nun schon eine Reihe konstruktiver Gespräche mit dem Lebensmitteleinzelhandel erkämpft. Das ist wirklich stark.

Hört mal rein,

https://landtag-niedersachsen-tv.im-en.com/index2.php?Nr=sitzung_18_36&date=2020-12-10&TOP=25#25

oder lest selbst:

 

In der 48. KW des Jahres 2020 im Vergleich zur gleichen KW ein Jahr zuvor sind die land-wirtschaftlichen Erzeugerpreise für Kälber um 48%, für Ferkel um sage und schreibe 67% weggebrochen. Für ein kg Schweinefleisch gibt’s noch 1,19 € pro kg statt 2,00 € im Jahr zuvor, auch das sind über 40% weniger. Für die Milch bekommen die Landwirte auf sowieso schon viel zu niedrigem Niveau nochmal 2,6% weniger als im Jahr zuvor. Jedem Ferkel das den Stall verlässt, bindet man aktiv Geld an den Schwanz. Für die Milchbauern sind die Milchpreise seit Jahren nicht auskömmlich, an erträgliche Stunden-löhne ist schlicht nicht zu denken. Und ebenso ist nun auch in der Geflügelerzeugung die Luft raus, auch hier können die Kosten nicht mehr gedeckt werden. Es ist die blanke Not, die die Landwirte auf die Straße treibt. Die Lage ist für viele Landwirtsfamilien Existenz bedrohend.

Es muss jetzt Geld auf die Höfe, den die Landwirtschaft ist systemrelevant und ein wichtiger Faktor für den ländlichen Raum. Gerade der vor- und nachgelagerte Bereich, wie z.B. Lohnunternehmer, Landhändler, Genossenschaften, die vielen Menschen in unseren Dörfern bislang Lohn und Brot geben, ist ebenso betroffen.

Die Landwirtschaft ist ohnehin mitten in einem nie gekannten Wandlungsprozess, der aber nur MIT den Landwirtsfamilien funktionieren kann.  Und genau dafür steht unser Konzept des Gesellschaftsvertrages. Der Lebensmitteleinzelhandel schafft es trotz deutlich sinkender Erzeugerpreise für die Bauern die Preise für die Verbraucher auch noch hochzuziehen.

Allerdings zeichnet sie ein ausgesprochen scharfer Wettbewerb unter den Händlern aus. Den wird es auch weiterhin geben. Er wird nicht ausgehebelt, wenn man sich auf einen Aufschlag auf die Einkaufspreise verständigt und diesen gradewegs an die Landwirtschaft durchreicht. Hierüber muss gesprochen werden, genauso wie über Fair Play in den Handelspraktiken.

Es muss jetzt systematisch mehr Geld auf die Höfe. Und zwar pro verkaufter Einheit mehr Anteil für die Landwirtschaft. Tierwohl als Dienstleistung jenseits des Marktes muss angemessen entlohnt werden. Ich appelliere an den Einzelhandel: Geben Sie den Bauern einen größeren Anteil davon ab. Denn die müssen auch leben.