Wie Politik Vereine und Ehrenamt stärkt
Was braucht der Sport vor Ort? Geld, Respekt, Zeit oder einfach mehr politische Aufmerksamkeit? Diese Fragen standen im Mittelpunkt einer lebhaften CDU-Veranstaltung, die zeigte, wie eng Sportförderung, Ehrenamt und gesellschaftlicher Zusammenhalt miteinander verknüpft sind. Von Förderprogrammen über Bürokratie bis hin zur Stimmung auf dem Spielfeld: Der Diskussionsabend unter dem Titel „Bock auf Sport?“ in Bremervörde machte deutlich, wo es klemmt und wo es dringend Bewegung braucht.
Eingeladen hatten dazu der CDU-Kreisverband Rotenburg und der CDU-Gemeindeverband Bremervörde. Zu Gast war André Bock aus Winsen (Luhe). Er ist innenpolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion und gehört dem Ausschuss für Inneres und Sport an. Er machte deutlich, wie zentral Ehrenamt und Sportförderung für den gesellschaftlichen Zusammenhalt sind.
Bock erinnerte daran, dass Sport beim Innenministerium angesiedelt ist und der Landessportbund Niedersachsen für die Mittelvergabe verantwortlich zeichnet. Fördermöglichkeiten gebe es reichlich, sowohl für Sportstätten als auch für Ehrenamtliche. Angesichts von 2,5 Millionen Vereinsmitgliedern in Niedersachsen, davon 183.000 ehrenamtlich Engagierten, und sogar rund 3 Millionen Ehrenamtlichen insgesamt, etwa bei Feuerwehren, Schulen oder Hilfsorganisationen, betonte er: „Wenn der Staat die alle bezahlen müsste, könnte er sich das niemals leisten.“ Deswegen sei es wichtig, dass Politik dies anerkennt und sich die Frage stellt, was getan werden müsse, damit sich Ehrenamtliche weiterhin engagieren.
Der Landtagsabgeordnete André Bock sprach außerdem von einem immensen Sanierungsstau in Bezug auf die Sportinfrastruktur und lobte vor diesem Hintergrund die „Sportmilliarde“ des Bundes als ersten wichtigen Schritt, um diesen aufzulösen. Damit gemeint ist das Bundesprogramm „Sanierung kommunaler Sportstätten 2025/2026“. Ab dem kommenden Jahr haben Kommunen und Vereine in einer ersten Phase Gelegenheit, 333 Millionen Euro abzurufen. In Niedersachsen werden außerdem über das Sportstätteninvestitionsprogramm des Landes 25 Millionen Euro für Sport- und Vereinsstättenbau zur Verfügung gestellt. Gleichzeitig kritisierte Bock trotz des positiven Signals hohe Bürokratiehürden und die stockende Digitalisierung bei Antragsverfahren. Sein Rat an Vereine: regelmäßig prüfen, welche Programme NBank, Lotto-Sport-Stiftung und Landessportbund anbieten.
Anschließend schilderte Dirk Stelling, CDU-Bürgermeisterkandidat in Bremervörde, die Herausforderungen vor Ort: Enge Fristen bei Förderprogrammen, fehlende Kofinanzierung und den Anspruch, möglichst viel aus den vorhandenen Bundesmitteln herauszuholen. Er stellte zudem eine brandneue Postkartenumfrage für Ehrenamtliche vor, um deren Bedürfnisse künftig besser in der kommunalen Arbeit zu berücksichtigen. Die Aktion startet pünktlich zum „Tag des Ehrenamts“ am 5. Dezember.
Aus dem Publikum kamen weitere Fragen, insbesondere zur Förderung von Vereinsheimen und zur Finanzierung der Übungsleiter. Positives Echo gab es von Frank Pingel, Präsident des DRK-Kreisverbands, der das niedersächsische Sportfördergesetz als „eines der besten in Deutschland“ lobte. Jörn Leiding vom Kreissportbund Rotenburg plädierte dafür, Sport langfristig zur politischen Pflichtaufgabe zu machen.
Auch die „Blaulichtfamilie“ war Thema: André Bock sprach über Engpässe bei Lehrgängen für die Kräfte bei den Freiwilligen Feuerwehren. Kritik gab es für die neuen Uniformen und Rangabzeichen, die hohe Kosten verursachen und kleine Gemeinden überfordern. „Die ehrenamtlichen Feuerwehrleute wollen eine bessere Ausrüstung, unter anderem bei der Persönlichen Schutzausrüstung (PSA), da wäre das Geld besser aufgehoben“, so Bürgermeisterkandidat Dirk Stelling.
Die CDU setzt sich für ein Helfergleichstellungsgesetz ein, also eine rechtliche Verbesserung und Anerkennung ehrenamtlicher Kräfte der Feuerwehren und Hilfsorganisationen, wie zum Beispiel DRK und DLRG.
Für besondere Aufmerksamkeit sorgte ein Beitrag des Kuhstedter Ortsbürgermeisters Jannis Düls, der in seiner Freizeit auch als Schiedsrichter tätig ist. Er berichtete von zunehmenden Respektlosigkeiten auf dem Spielfeld und forderte härtere Konsequenzen für Fehlverhalten. Viele junge Unparteiische würden angesichts des Tons auf dem Platz aufgeben. Leiding regte an, einen Impulsworkshop für junge Trainerinnen und Trainer oder eine größere Veranstaltung zu diesem Thema zu organisieren. Der Landtagsabgeordnete und CDU-Kreisvorsitzende Marco Mohrmann dankte für den authentischen Einblick.
„Die Diskussion hat gezeigt, dass wir beim Thema Fairness im Sport handeln müssen. Das war ein wichtiges Ergebnis dieses Abends“, so der CDU-Generalsekretär.
Zum Abschluss zog Kristin Harms, Vorsitzende des CDU-Gemeindeverbands Bremervörde, ein positives Fazit: Eine Veranstaltung, die informierte, sensibilisierte und möglicherweise der Auftakt für weitere Formate rund um Fairness und Ehrenamt sein könne.
Das Foto zeigt (von links): Marco Mohrmann (CDU-Landtagsabgeordneter), Kristin Harms (Vorsitzende CDU-Gemeindeverband Bremervörde), André Bock (innenpolitischer Sprecher CDU-Landtagsfraktion) und Dirk Stelling (CDU-Bürgermeisterkandidat Bremervörde) im Austausch über Sportförderung und Ehrenamt.
Foto: Baraz